Nina Zschocke

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Nina Zschocke: Laboratorien der Erfahrung (= Laboratories of Experience).
Privat- und Stadträume scheinen sich im digitalen Zeitalter zunehmend in großmaßstäbliche Laboratorien für die Erforschung und Kontrolle von Verhalten und Erfahrung zu verwandeln. Datenbasierte Profile und individualisierte Medieninhalte rücken im frühen 21. Jahrhundert die Verbindung behavioristischer und kybernetischer Verhaltenskontrolle in greifbare Nähe. Gigantische Datenernten und selbstlernende Computersysteme nähren den Traum von einer programmierbaren Gesellschaft. Entsprechend scheinen wir zu Laborbewohnern und -bewohnerinnen geworden zu sein. Diese merkwürdige Beobachtung ist Ausgangspunkt des Forschungsprojekts Laboratorien der Erfahrung. Ich gehe darin der Frage nach, was die Kunst – auf welche Weise – über die neuen, mit Sensoren, Ausgabe- und Interaktionsschnittstellen ausgestatteten Räume in Erfahrung bringt. Geben Kunstwerke Hinweise darauf, auf welche Weisen es möglich ist, in diesen Umwelten Beziehungen herzustellen, bedeutungsvoll zu handeln, zu gestalten, Kritik zu üben oder Widerstand zu leisten? Welches Licht wirft die Kunst auf aktuelle Entwicklungen und relevante historische Zusammenhänge und inwiefern spekuliert sie über die Zukunft? Was bringt die Kunst in Erfahrung über Beziehungen zwischen der Geschichte der wissenschaftlichen Forschung im Labor und der Geschichte digitaler Alltagstechnologien? Wo bildet Kunst einen semi-autonomen Raum der Kritik und wann hat sie darüber hinaus den Anspruch, Alternativen zu formulieren und transformierend in realweltliche Bedingungen einzugreifen? Und wie schließlich thematisiert sie die eigenen Abhängigkeiten?
Auf Grundlage der gewonnenen Erkenntnisse diskutiere ich schliesslich die Bedeutung der künstlerischen Ansätze für Fragen der Architektur. Inwiefern werden etwa Beziehungen zwischen digitalen, physischen und sozialen Räumen in der Kunst neu auslotet oder definiert? Und was bedeuten die künstlerischen Antworten auf die Frage nach Gestaltungsmöglichkeiten innerhalb der neuen hybriden Umwelten für die Arbeit von Architekt*innen?
Methodisch verbindet das Projekt "Laboratorien der Erfahrung" die Kunst- und Architekturgeschichte mit der Wissens- und Technologiegeschichte. Als Autorin gehe ich ins Labor und an die Orte der Kunst und Architektur.
- Buch: Habilitationsschrift, in Vorbereitung
- Lehrveranstaltungen: Die Vorlesungen "Digital Matters" (Zschocke, ETH Zürich, D-Arch, FS19, FS20, FS 21) und "Die 1990er Jahre" (Zschocke, ETH Zürich, D-ARCH, FS18) sind Teil des Forschungsprojektes.


(Bild: Lauren McCarthy: 24h HOST, 2017)

Don 18. Dialoge zu Kunst und Architektur. (ongoing series of dialogues, proceedings, in preparation.)
DON18 ist eine seit 2006 fortlaufende Veranstaltungsreihe der Professur für Kunst- und Architekturgeschichte.

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Nina Zschocke, Anne Kockelkorn (Hg).: Productive Universals - Specific Situations. Critical Engagements in Art, Architecture and Urbanism, Sternberg Press, Berlin/New York City, 2019.
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In today’s increasingly digitalized and neoliberal societies, debates on universals and specifics have gained new momentum. This volume situates the contemporary return to universal claims and concepts in the fields of art, architecture, and urbanism, and highlights the interrelation of the specific and the universal in diverse historical situations from the nineteenth century to the present. The collection’s essays thus venture an epistemic shift of the concept of universality: from essence to modality, from the abstract and static to the performative and productive.


Diversität. Geschichte und Aktualität eines Konzeptes. (= Tagungsakten, Workshop, Sept. 2013, Université de Lausanne), Hg. zus. mit A. Blum, H-J. Rheinberger, V. Barras, Verlag Königshausen & Neumann, Würzburg 2015.
Book on the Publisher's Website

Diversität ist eines der zentralen Themen unserer Zeit. Sie durchdringt alle Lebensbereiche unserer Gesellschaften. Das Nachdenken über Diversität reicht von den Naturwissenschaften über die Geschichtswissenschaften, die Gesellschaftswissenschaften, die Philosophie bis zu den Künsten. Drei einleitende Kapitel der HerausgeberInnen führen verständlich in komplexe interdisziplinäre Problemzusammenhänge ein. Der Band versammelt 17 Beiträge aus den Bereichen Kunst-, Kultur- und Wissenschaftsgeschichte, Medizin und Gesellschaftstheorie.


Autorität des Wissens. Kunst- und Wissenschaftsgeschichte im Dialog, (edited volume, together with Anne von der Heiden) diaphanes, Zürich/Berlin 2012.
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Die Verfahren, Produkte und Diskurse der Wissenschaft sowie der Kunst sind in umfassende kulturelle Entwicklungen eingebettet, können zugleich aber auch für diese konstituierend sein. Damit sind sie jedoch aufs Engste an die Problematik der Autorität des Wissens gekoppelt. Schließlich ist die Frage, welche Figurationen des Wissens und der Reflexion sich in beiden Bereichen und gerade an deren Schnittstelle ausbilden und halten können, immer auch daran gebunden, mit welchen Strategien Geltung hergestellt und reproduziert wird. Zwischen Autorität und Subversion vermittelnd, setzen sich die Beiträge des Bandes mit den Transformationen, mit dem Auftauchen und Verschwinden von Wissenselementen im Grenzbereich von Kunst- und Wissenschaftsgeschichte auseinander.


Der irritierte Blick. Kunstrezeption und Aufmerksamkeit,(= dissertation, Univ. of Cologne, orig. title: Die künstlerische Strategie der visuellen Irritation.) W. Fink, München 2006.
Out of print, Book in the digital collection of the Bayrische Staatsbibliothek / DFG

Uneindeutige, instabile und unplausible visuelle Phänomene werden als beunruhigende „Wahrnehmungsstörungen“ oder visuelle „Rätsel“ empfunden und irritieren als solche. Im Kontext künstlerischer Wirkungsstrategien rückt die „visuelle Irritation“ nun ins Blickfeld kunstwissenschaftlicher Auseinandersetzung.
Nina Zschocke legt erstmals eine Reflexion der jüngsten Befunde der Neurowissenschaften auf hohem wahrnehmungsästhetischen Niveau vor. Ihre Werkanalysen, die sich an den Theorieteil anschließen, beweisen die Triftigkeit der Fragestellung und die Anwendbarkeit des Ansatzes. Die Irritation als Folge eines künstlerisch intendierten Konfliktes im Prozess der visuellen Verarbeitung und Bedeutungszuschreibung charakterisierend, eröffnet der Text eine aufschlussreiche Perspektive auf die vorgestellten Kunstwerke und darüber hinaus auf zentrale Positionen und Fragestellungen der modernen und zeitgenössischen Kunst.